Eigentlich wollte ich ja heute den Frästisch ausprobieren und im besten Fall eine Kopie meines Bodytemplates anfertigen. Aber nach einer Unternehmung mit der Familie litt ich spontan an schierer Unlust. Als ich merkte, dass meine Laune unter meiner Unlust ebenfalls litt, beschloss ich, mal irgendwas aufzubauen und mal zu sehen, wohin mich das führt.
Achja… kurz ein Wort zum Thema, warum man eine Kopie der Templates anlegt: Normalerweise würde ein Template ja genügen, kann man mit einem Template doch eigentlich exakt 237 Kopien einer Gitarre anlegen. Diese Zahl errechnet sich aus dem mathematischen Mittel der 3. Ableitung aller bisher aufgetretenen Sonnenwinde. Wenn man darüber ein Integral bildet, hat man… Voila… das Ergebnis 237 raus. Ein plötzlich auftretenes Erdbeben, ein Tsunami, Erdkrustenverschiebung durch Plattentektonik oder ein einparkender PicNic-EKW könnten aber dazu führen, dass man die Fräse bei Handführung spontan verkantet und die Frässchablone bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.
In diesem Fall müsste man wieder bis zum 11.12.2021 warten, um mit dem erneuten Bau einer Frässchablone beginnen zu können. Und zwar wieder ganz von vorne. Nur den Bau eines Frästisches könnte man dann überspringen, den hat man ja schon.
Jetzt folgt aber ein Gedankenexperiment. Dieses setzt allerdings ein bestimmtes kognitives Gesamtvermögen voraus. Aber denken wir mal, Ihr wäret alle so schlau wie… wie… naja… ein schlauer Mensch halt… Dann könntet Ihr sicher nachvollziehen, dass es ziemlich geil wäre, wenn man schon eine Frässchablone hätte, die man nur nochmal kopieren müsste und man bräuchte für den Neubau einer Frässchablone nur bis heute(!) warten.
Genau aus diesem Grund fertigt man für jeden Gitarrentyp eine sogenannte Masterfrässchablone an. Von dieser erstellt man eine exakte Kopie, nennt sie Horst (manche nennen sie auch unsinnigerweise Arbeitsschablone) und verranzt diese dann beim Versuch, aus einem Stück Vogelsitzbaumholz eine Gitarre anzufertigen. Wenn man dann einen neuen Horst braucht, kopiert man sich diesen mit Hilfe eines Frästisches, eines Bündigfräsers und einer Masterfrässchablone.
Im besten Fall existiert ein Schablonenmaster also schlicht und einfach zu einem einzigen Zweck: Einen Horst anzufertigen. Und zwar genau ein einziges Mal. Dafür benötigt man nichtmal das Wissen über Integralrechnung.
Trivia: Einer meiner Onkels heißt übrigens Horst.
Aber ich schweife ab. Wir beginnen damit, eine Kopie meiner bisher erstellten Vorlage anzulegen, indem wir die Vorlage…

… auf ein weiteres Stück 9mm MDF legen. Extrem beeindruckend, nicht wahr?

Nun zeichnen wir die Kontur nach und…

… sägen diese mittels Stichsäge grob aus. Wenn man sich hinterher fragt, warum der Schnitt gänzlich schief war, hätte es daran liegen können, dass das Sägeblatt aus der Führung gesprungen ist. Und – wer hätte es gedacht – das war es auch.
Aber da genug Fleisch drangelassen wurde, wurde das zu keinem Problem.

So sieht’s dann aus.

Nun kommt der Profitrick mit Klebeband und Sekundenkleber. Das Ausrichten der Klebebänder auf beiden Stücken MDF, das Verschmieren und Verlaufen des Sekundenklebers und vor allem der immense Verbrauch desselbigen hat mich dazu bewogen, in Zukunft nicht auf die Profis, sondern auf die Stümper zu hören und doch doppelseitiges Klebeband zu benutzen.

Ein kleiner E-Zigaretten-Immer-Dabei-Lieg-Schraubendreher diente als Ausrichthilfe beim Aufkleben.

Alter… jetzt wurde ich nervös. Das erste Mal meinen Frästisch einsetzen. Schnell den Bündigfräser ausrichten. Das klappte alles zu gut bis zu diesem Moment. Das Rölleken oben fährt nun die obere (Master-)Schablone ab und fräst die untere (grob zugeschnittene) bündig ab. AAAAAHHHHH!!!! BÜNDIG-Fräser… daher… alles klar. Das kann nicht gutgehen. Selbst gebauter Frästisch ohne Ahnung, noch nie gemacht. Jetzt zeigen sich alle Dinge, an die man als Anfänger nicht gedacht hat.

Fertig! Hat alles perfekt geklappt.

Unten sieht man nun Horst.

Das Trennen der beiden Schablonen gelingt mit der Klebeband-Superglue-Technik allerdings rattenscharf.

So… da sind sie. In epischer Vollendung. Rechts Horst, links die Masterfrässchablone.

Hier habe ich noch ein Bild zum Nachliefern. Da die Oberfräse von Bo… Ihr wisst schon… nicht für den Einbau in einen Frästisch gedacht ist, musste ich den Einschaltknopf mit einem Kabelbinder fixieren. Damit ich aber das Dingen ein- und ausschalten kann, habe ich mir an einen Sicherheitsschalter Kabel geschraubt und somit ganze 30 Euro für einen fertigen Sicherheitsschalter INKL. Kabel/Buchsen gespart und das selbstgemacht. Summa summarum hat mich der Schalter inkl. Kabeln, Stecker und Buchse ganze 29 Euro gekostet. Und im Endeffekt habe ich da 20 Minuten dran geschraubt und hinterher festgestellt, dass es sich bei dem Scheißteil nichtmal um einen Sicherheitsschalter gehandelt hat.
Bitte schlagt mich tot, wenn ich nochmal versuche, Geld zu sparen.
Aber davon ab hat das heute richtig richtig Laune gemacht. Zu sehen, dass der eigene Frästisch wirklich taugt, war eine wahre Wonne. Fräsen am Frästisch ist einfach voll korrekt macho!!!
Und einfach ist es auch. Die MDF-Schablonenkopie zu fräsen, hat sage und schreibe 2 Minuten gedauert!
Meine Begeisterung kennt keine Grenzen.
Vor allem auch, weil das nun heißt… bald geht es an das finale Gitarrenholz. Bald beginne ich mit dem echten Bau der echten Gitarre.
Bis zum nächsten Mal! 😉